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Wie ein Kaugummi an der Schuhsohle

Das Gefühl dürfte jeder kennen: Irgendjemand hat seinen Kaugummi in die Landschaft befördert und treffsicher ist er ausgerechnet unter der eigenen Schuhsohle kleben geblieben. Dort klebt er nun vor sich hin, zieht Fäden und lässt sich nur schwerlich entfernen.

Ähnlich dürften sich die Verantwortlichen der Kölner Haie vorkommen, denen noch immer (siehe einen aktuellen F.A.Z.-Artikel von Sven Astheimer) eine vom Kölner Express Ende April losgetretene Story anhängt wie besagtes Klebeobjekt: Von „bettelnden Haien“ ist die Rede, die für einen Antrag auf Kurzarbeit für die – nicht näher definierten - Klubangestellten beim lokalen Arbeitsamt vorstellig wurden.

Die Geschichte klingt gut und bietet genug Ansatzpunkte, um mit gezogenen Schlussfolgerungen den Stammtisch zu erfreuen. Ein naseweiß gewitzter Klub, der das üppige Salär für Starspieler von den Sicherungssystemen des Sozialstaates bezahlen lässt? Skandalös so etwas!

Zäh wie das Entfernen eines Kaugummis erfolgte folgend die Richtigstellung der Meldung aus der Boulevard-Presse: Über ein kurzfristig erfolgtes Statement des Pressesprechers der Kölner Haie wurde richtig gestellt, dass niemals ein Antrag auf Kurzarbeit gestellt wurde, sondern lediglich prüfend Informationen über die Rechtmäßigkeit eines solchen Vorgangs eingeholt wurden. Auch bezogen sich diese – wie von zahlreichen Vertretern aus der Quelle des Express-Artikels gelesen – nicht etwa auf die vertraglich gebundenen Spieler des Mannschaftskaders, sondern vielmehr ausschließlich auf Beschäftigte der Geschäftsstelle.

Der im o.g. F.A.Z.-Artikel als regelrechter „Coup“ bezeichnete und grundlegend falsch, aber dafür umso reißerischer dargestellte Vorgang, wurde von der entsprechenden Regionaldirektion abgelehnt. Zur Begründung hierfür wurde darauf verwiesen, dass „Sportlicher Misserfolg (…) keine Folge des Konjunktureinbruchs [sei].“

Dies ist ohne Frage richtig, hat mit der gegebenen Situation allerdings nur bedingt etwas zu tun. Aufmerksame Beobachtern ist nicht entgangen, dass KEC-Geschäftsführer Thomas Eichin anlässlich des vielbeachteten „Kölner Sportgesprächs“ im vergangenen April darauf verwies, dass Merchandisingumsatz im Dezember von empirisch betrachtet üblichen 10.000 € / Tag auf knapp 1.000 € /Tag absanken. Dieses Minus wirkt auch angesichts des Absinkens der Zuschauerzahl um knapp 15% unverhältnismäßig hoch und lässt somit mindestens die starke Vermutung zu, dass nicht ausschließlich sportliche Gründe, sondern auch konsumklimabedingtes Sparverhalten der Fans hierzu beitrugen.

Die Verschärfung der Gegebenheiten durch das Verpassen der Playoffs mag dem mit dem deutschen Eishockeysport nicht vertrauten Dritten zunächst als pure Fehlplanung vorkommen, eine differenziertere Sichtweise kann dies nicht bestätigen: Angesichts der Tatsache, dass seit fast 30 Jahren in ununterbrochener Folge eben jene Zusatzrunde erreicht und somit fester Bestandteil der Saison der Kölner Haie war, ist es nicht nur legitim, es wäre aus wirtschaftlicher und auch sozialer Sicht geradezu fahrlässig gewesen, die entsprechenden Stellen für diesen Zeitraum nicht zu besetzen.

Das Prinzip der Kurzarbeit übt als Option dieses unseres Sozialstaats auch eine sichernde Abfederungsfunktion für Arbeitgeber aus. Wie es aussehen kann, wenn diese Option nicht wahrgenommen wird, zeigt der Ligenkonkurrent aus Iserlohn, der entsprechende Beschäftigte der Geschäftsstelle aus dem Arbeitsverhältnis lieber gleich ganz entließ. Sicherlich kein großartiger „Coup“ im Sinne der Beschäftigungssicherung, liebe F.A.Z.

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Info:
Wie ein Kaugummi an der Schuhsohle ist Beitrag Nr. 1167
Author:
Haieblog.de am Juni 18, 2009 um 1:35 am
Kategorie:
Notizen
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