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Zusammenfassung des Kölner Sportgesprächs

Für den Veranstalter wohl überraschend viele Gäste fanden sich am gestrigen Abend in den Räumlichkeiten des Deutschen Sport und Olympia Museums ein: Nachdem eifrig noch Stühle herbeigeschafft worden waren, konnte die Diskussion beginnen. Die Runde geladene Runde bestand aus Wolfgang Brück (Roosters, DEB), Thomas Eichin, Detlef Langemann und Holger Meitinger, sowie den moderierenden Christian Oeynhausen und Karlheinz Wagner vom gastgebenden Kölner Stadt-Anzeiger.

Wer welche Position vertreten würde, wurde rasch deutlich: Keiner der Protagonisten wich von seiner im Vorfeld bekannten Position ab. So vertrat Brück die Iserlohn Roosters mit jenen Formulierungen und Vokabular, welche aus Presse und ein wenig Fernsehen bekannt sind. Seine Grundthese wiederhole er mehrmals: Wirtschaftliches Planen sei das A und O der DEL-GmbHs, wer richtig plane, der kriege auch keine existenzbedrohenden Probleme. Wer mehr Geld ausgebe, als er habe, der gehe zu Recht in die Insolvenz. Somit gäbe es auch nicht zu viele Spiele in der DEL: Man kenne die Zahl der Spiele und wer richtig plane, kriege anschließend auch keine Probleme. Gerade in den Zeiten der Rezession werde augenfällig werden, wer seine Hausaufgaben mache und wer nicht.

Die Wiedereinführung von Auf-/Abstieg sei nicht praktikabel, da es aktuell nicht genug Zweitligisten gäbe, über denen bei einem Aufstieg nicht automatisch das Schwert der Insolvenz schwebe. In der Oberliga sei wirtschaftliches Handeln gar nicht mehr möglich. Die ESBG präsentiere sich als größerer „Scherbenhaufen“ als die DEL. Seine Ausführungen, dass Auf-/Abstieg nicht realisierbar seien, weil es nicht genug deutsche Spieler mit dem entsprechenden Spielniveau gebe, konnte ich nicht einordnen. Mehrfach betonte Brück die allgemeine Notwendigkeit „schlanker“ zu werden – auf allen Ebenen: Im Kader, Nachwuchsarbeit und Gesamtstruktur.

KEC-Legende Detlef Langemann benannte vor allem jene Aspekte, die man von ihm aus anderen Interviews der Saison bereits gehört hatte. Diese reichten von der Idee des “Halbprofitum”, also der Karriere als Eishockeyspieler neben z.B. dem Studium als mögliche Antwort auf die Wirtschaftskrise, über die Notwendigkeit faktischer Bruttoverträge bis zu seiner Kritik an den Trainerwechseln des KEC der letzten Saison („Es sind alles liebe, nette Menschen”, aber die Kölner Haie benötigten einen erfahrenen, in dieser Situation fähigen Trainer). Die Notwendigkeit der Nachwuchsarbeit sei bereits zu seiner Zeit notwendig gewesen und werde zunehmend wichtiger. Langemann zitierte eine Studie, nach welcher die aktuell ohnehin geringe Zahl der aktiven Spieler in Deutschland bei der Einbindung der kommenden geburtenschwachen Jahrgänge prekär sinken wird. Er plädierte für eine Ausweitung der Nachvergütung für ausbildende Vereine und erläuterte dies am Beispiel der bayerischen Ausbildungshochburgen Landshut und Riessersee, wie auch den Kölner Haie, die auf verschiedenen Stufen Spieler fördern, welche später zu Vereinen ohne teure Nachwuchsförderungsprogramme wechselten. Eine Rückvergütung („zum Beispiel: 5,000 ,- €“) könnte beim Wechsel an den ausbildenden Verein gezahlt und somit Ausgleich und Anreiz zugleich geschaffen werden.

Holger Meitinger konnte vor allem kritische Distanz einbringen. So verwies er z.B. die erfolgreiche Entwicklung im deutschen Fußball die Distanz der Laufbahnen zu überwinden und die Fans näher an das Geschehen zu bringen mit einer gegensätzlichen Entwicklung im Eishockey. “Atmosphäre” war das Stichwort, welches auch auf die lokalen Medien übertragbar sei: Früher habe Köln vor Derbys gegen Düsseldorf „gekocht“, heute gebe es gerade einmal einen Vorbericht zum Spiel in der Zeitung. Gleichzeitig vermisse er eine Entwicklung im deutschen Eishockey. Die Clubs stünden heute dort, wo sie vor fünfzehn Jahren auch standen. Der durch die Haie eingeschlagene Weg der kontinuierlichen Loslösung vom Mäzentum seit 1999/2000 sei der „genau Richtige“ gewesen. Auch vertrat er im Kontext der Diskussion der potenziellen Einsparungen an den Spielergehältern eine kritische Position: Wie auch im Kontext „Halbprofitum“ dürfe man die Spieler nicht außer Acht lassen. Ohne - auch finanzieller - Absicherung werde das Karriereende bzw. der Berufseinstieg mit Anfang oder Mitte 30 zunehmend schwerer.

Die meisten Redeanteile hatte erwartungsgemäß Thomas Eichin, der zunächst wenig Neues formulierte: Die Gründe für die schwache Saison benannte er mit mehrfach in der Presse zitierten „vielschichtigen Gründen“, legte aber mehrfach Wert darauf, dass die Situation von keinem Experten richtig eingeschätzt wurde. Vor der Saison sei „alles in bester Ordnung gewesen und von allen Seiten wurde nur gefragt, ob es denn nun zur Meisterschaft reichen würde.“ Gleichzeitig sei die Vizemeisterschaftssaison die wirtschaftlich stärkste in der Geschichte der Kölner Haie gewesen, welche in starken schwarzen Zahlen endete. Natürlich auch bedingt durch die sportliche Situation sei nun der Merchandisingumsatz beispielsweise im Dezember von täglich 10,000,- € auf 1,000,- € eingebrochen. Mehrfach betonte er das enorme Engagement des Haie-Gesellschafter H.-H. Göttschs, der im Rahmen seiner Vision in die Haie investierte, nicht zuletzt durch die Wirtschaftskrise aber seit November letzten Jahres sein Engagement deutlich zurückfahren musste.

Gleichzeitig betonte Eichin die enorme Bereitschaft in der Wirtschaft den Haie zu helfen: Mehr als 100 Unternehmen würden die Haie fördern, es seien bereits zu diesem Zeitpunkt bemerkenswerte 2,000,000 ,- € Sponsorengelder für die kommende Saison generiert worden. Einzig durch dieses Engagement hätten die aktuellen Transfers bereits realisiert werden können. Auch sei auf Seiten der Spieler großes Verständnis für die aktuelle Situation der Haie gegeben, wodurch stark leistungsbezogene Verträge ausgehandelt werden konnten. Zusätzlich hätten sich zehn Investoren gefunden, die jeweils 200,000 ,- € in den laufenden Betrieb einlegen wollen. Im Bezug auf die Altlasten von 1,000,000 ,- € sei er „optimistisch, dass es klappt, diese bis Saisonbeginn zu tilgen, so dass jungfräulich in die Saison gegangen werden könne“.

Auch im Bezug auf die mangelnde Präsenz der DEL im Free-TV argumentierte Eichin wie bekannt: Selbst auf dem Silbertablett gereicht und fertig produziert würden weder die Öffentlich-Rechtlichen, noch andere Sendeanstalten des Free-TV die Spiele der DEL geschenkt haben wollen. Gleichzeitig greife die Maßnahme der Öffentlich-Rechtlichen selbst der 3. Fußballliga an prominenter Stelle Sendezeit zu gewähren direkt in die Sponsorenverhandlungen der Eishockey-, Handball- und Basketballclubs ein, die alle Sponsoren jener Ebene ansprechen. Diese zunehmende Monopolisierung auf Seiten der Öffentlich-Rechtlichen stehe entgegen derer vorgeschriebenen Informationspflicht und stelle einen neuen Wettbewerbsnachteil dar. Mit Premiere hingegen sei ein Partner bei der Hand, der für die Übertragungsrechte gutes Geld zahle, was bei keiner Mannschaftssportart neben dem Fußball der Fall sei. Gleichzeitig sei Premiere äußerst kooperativ und offen, was die Zweitverwertung der Bilder angeht.

Auch im Bezug Auf-/Abstieg verwies Eichin auf seine oft geäußerte Position, dass diese fundamentale Bestandteile der europäischen Sportkultur seien. Auf die vielfältigen Modusänderungen der letzten zehn bis fünfzehn Jahre angesprochen, erwägte Eichin einen großen runden Tisch aller Beteiligten der DEL, DEB etc., an welchem sich über die grundsätzlichen Ziele und eine Ausrichtung des deutschen Eishockey für die nächsten acht Jahre geeinigt werden könnte. „Das kann so schwer nicht sein.“

Besonders ergiebig war der Talk im Bezug auf einzelne Aspekte, welche in Nebensätzen beiläufig erwähnt wurden. So wurde zum Beispiel deutlich, dass die Lizenzprüfung der DEL nicht intern vorgenommen, sondern von externen Unternehmen geleistet wird. War die Stimmung über den Abend hinweg gelöst, wurde Eichins Stimme an einer Stelle hart und seine Miene ernst: Besorgten Nachfragen aus dem Publikum entgegnete Eichin, dass kein Fan aus Angst vor einer akuten Insolvenz der Haie auf den Kauf der Dauerkarte verzichten sollte. Er als Geschäftsmann und Verantwortlicher würde diese nicht zum Verkauf anbieten, wenn es in der kommenden Saison kein DEL-Eishockey in Köln geben würde.

Ein wenig enttäuschend war, dass sich zu lange mit bekannten Aussagen aufgehalten wurde. Ebenfalls enttäuschend war, dass einzelne Aspekte als gegeben betrachtet wurden. Die Dominanz des Fußball - nicht zuletzt auch im Sportteil des KSTA - wurde von allen Beteiligten als gegeben angesehen, obwohl zurecht festgestellt wurde, dass Eishockey und Fußball vor zwanzig Jahren nicht weit voneinander entfernt waren. Warum sich beide Sportarten anders entwickelt haben, wurde nicht beleuchtet.

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Info:
Zusammenfassung des Kölner Sportgesprächs ist Beitrag Nr. 1029
Author:
Haieblog.de am April 7, 2009 um 2:03 pm
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9 Kommentare »

  1. Rjinswand

    Vielen Dank für die ausführliche Zusammenfassung!

    Die Aussage Brücks “man kenne die Zahl der Spiele und wer richtig plane, kriege anschließend auch keine Probleme” ist aber zu hinterfragen: In Sachen Spielanzahl wird doch in der Realität dem anscheinend vorrangigen Ziel der Planungssicherheit zuwider gehandelt, und zwar durch die Beibehaltung der Playoffs, durch die eben nicht absehbar ist, wer wie viele Spiele zu bestreiten hat. Sicherlich ist das abschätzbar, aber der sicher geglaubte Playoff-Teilnehmer Köln ist wohl auch hierdurch ins Straucheln geraten.

    Oder wird dem Umstand in der Masse der Spielerverträge Rechnung getragen?

    #1 Kommentar vom 07. April 2009 um 2:25 pm

  2. Henrike

    Danke, René!
    Und wenn ich Deinen Artikel hier lese und halte das Werk zur gleichen Veranstaltung des Stadtanzeigers dagegen, dann wird schon wieder offenkundig, wem an einer gehaltvollen Information des Lesers gelegen ist und wem nicht.
    Gut, die Kürze des Stadtanzeiger-Artikels und die wenigen festgehaltenen Gesprächsthemen des Abends könnten natürlich auch darauf zurückzuführen sein, dass es da bei der Mitschreibenden Kollegin an Interesse und/oder Aufmerksamkeit gemangelt hat…

    #2 Kommentar vom 07. April 2009 um 2:31 pm

  3. Haieblog.de

    Rjinswand, ich denke, Brück hat hier deutlich aus der Iserlohner Perspektive argumentiert, was seine Pflicht als deren Geschäftsführer ist.

    Jeder Manager ist bemüht, das Optimum aus seiner Position zu machen. Die Haie haben vielleicht mit den Playoff-Spielen gerechnet, was kaufmännisch vielleicht nicht optimal, angesichts der Zahl der Playoff-Teilnahmen in Folge jedoch nachvollziehbar ist. Hätten die Haie anders gerechnet, hätte sich Eichin auch dafür verantworten müssen nicht realistisch geplant zu haben. Iserlohn hat nicht mit dem Erreichen der Playoffs und damit letztlich besser gerechnet.

    #3 Kommentar vom 07. April 2009 um 3:08 pm

  4. Robert

    Das Video von KSTA.tv ist jetzt auch online: http://ocs.zgk.de/mdsocs/mod_movies_archiv/movie/koelnerhaieneu070409/ocs_ausgabe/ksta

    #4 Kommentar vom 07. April 2009 um 7:36 pm

  5. Fäb

    Danke für den Bericht! - ohne den ich auf einen mündlichen Bericht hätte warten müssen, da ja gewisse andere Medien nicht in der Lage sind ihre eigene Veranstaltung schriftlich nachvollziehbar darzulegen.

    #5 Kommentar vom 09. April 2009 um 5:13 pm

  6. Bernhard

    Auch von mir Dank, René, Fabian hat mich auf die Seite aufmerksam gemacht, sonst hätte ich sie nicht gefunden. Warum veröffentlicht ihr sie nicht auf haimspiel.de? Mit Henrike würde ich mich mal gerne unterhalten, sie hat wirklich Ahnung von Eishockey. Vielleicht schaffe ich es mal zum haimspiel-Stammtisch.
    Neben allen schon x-mal durchgekauten externen und hausgemachten Problemen beim Eishockey möchte ich noch einmal an ein ganz großes Manko erinnern, das man mit etwas gutem Willern wirklich beseitigen könnte: Es kann nicht sein, dass viele Vereine ihre Spieler für 12 Monate bezahlen müssen, aber nur in knapp 6 Monaten Einnahmen haben, wenn sie nämlich nicht in die Play-Offs kommen und die Sasion schon Ende Februar/Anfang März vorbei ist. Die WM muss in den Januar/Februar gelegt werden (A und B WM zeitgleich), die europäischen Ligen pausieren dann zwar 2 Wochen, aber man hat nach hinten raus viel mehr Luft und kann den Terminkalender entzerren, so dass die schlecht besuchten Spiele unter der Woche wegfallen. Die reguläre Saison könnte bis Anfang/Mitte April laufen, dann die Paly-Offs im Best-Of-Five Modus bis Ende Mai (in der NHL endet die Sasion sogar erst im Juni). März/April sind mindestens so attraktive Eishockeymonate wie der September und in packenden Play-Offs bekommt man die Hallen auch danach noch voll (außer in Hannover…). Einziger Nachteil wäre, dass die NHL sicherlich nicht pausieren wird, das wäre aber das geringere Übel. Es kämen vermutlich einige talentierten Nachwachsspieler aus Übersee und die meisten Stars kommen auch jetzt schon nicht.

    #6 Kommentar vom 15. April 2009 um 1:57 pm

  7. Michael

    http://www.eishockeynews.de/nachricht.html?nachricht_id=7375;template_id=1

    Alexander Brandt hat sich sarkastisch zum Thema geäußert. Sarkasmus weist auf Probleme hin. Bessere Fragen sind ihm aber wohl auch nicht eingefallen. Sonst hätte er sie bestimmt gestellt.

    #7 Kommentar vom 15. April 2009 um 7:40 pm

  8. marty

    Der ehemalige Sponsor des Clubs Bernhard Brück(Delayne) völlig unbekannte Marke -hat auf Antrag eines Gläubigers am 12.03.2009 eine eidesstattliche Versicherung abgegeben und Insolvenz angemeldet-13.01.2009 -veröffentlicht im Bundesanzeiger.Dieser Mensch dient sich nach wie vor großmäulig diversen Sportclubs als Sponsor an.Die Werbeagentur- wisement-iris capellen bezeichnet diesen Betrüger in ihren letzten news als Eigentümer der Firma expomax ld-wesseling.Vieleicht ist ja da Geld zu holen?

    #8 Kommentar vom 12. Mai 2009 um 5:54 pm

  9. henry

    ekel für diesen typen,nur Ekel

    #9 Kommentar vom 19. Mai 2009 um 10:38 am

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