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Juni 16, 2009

Nachruf zum Tode Jochem Erlemanns

Sein Name und sein Wirken sind untrennbar mit der Geschichte des Kölner EC verbunden, er formte den KEC zu einem Spitzenclub und stieß als Visionär Prozesse an, die den gesamten Eishockeysport in Deutschland auf eine neue, professionellere Ebene hoben: Am vergangenen Freitag verstarb um 23:55 Uhr Dr. Jochem Erlemann, Präsident des KEC der Jahre 1976 bis 1979.

Von der Finanzwelt als durchgestartetes Talent gefeiert, betrat Erlemann im Sommer 1976 als Laie des Sports für ihn unbekanntes Terrain. Er störte sich nicht an großen Namen und noch größeren Problemen, brachte sich vielfältig ein und sorgte so rasch für regelrechte Erdbeben, die verkrustete Strukturen und festgefahrene Konventionen förmlich hinwegfegten. Er machte es sich zur Aufgabe, die seit 1972 durch Abspaltung vom Kölner EK entstandenen, sportlich jedoch mehr schlecht als recht im unteren Mittelfeld der Tabelle verweilenden “Haie zu einem Vorzeigeclub zu machen.

Eine “bundesweite Eishockey-Entwicklung, die sich im Aufbruch befindet, vom Amateurstatus zum Profitum” sah Erlemann zu Beginn seiner Präsidentschaft. Eine Bruchstelle, an welcher er ansetzte und sich für den KEC als der richtige Mann zur richtigen Zeit erwies.

Sportlicher Erfolg, das anziehende Image des Erfolgreichen und somit auch wirtschaftlicher Erfolg: Für Erlemann war dies eine Gleichung. Über den spektakulären Transfer des Superstars Erich Kühnhackls suchte er dies zu erreichen – und es gelang. Im Windschatten des für 600.000 DM Ablösesumme nach Köln transferierten Kühnhackl errungen die “Haie” bereits im ersten Jahr der Präsidentschaft Erlemanns ihre erste deutsche Meisterschaft (1977) und sorgten auf allen Ebenen für Schlagzeilen. Spektakuläres, erfolgreiches Eishockey, öffentlichkeitswirksamer Protz, Geschichten und Skandälchen lockten nunmehr deutlich mehr Zuschauer, wie auch zahlreiche Prominente auf die Zuschauerränge und etablierten den Eishockeysport in Köln in einer neuen Dimension. Der Kölner EC war “in” und Erlemanns Plan aufgegangen.

Die Entlassung und spätere Wiedereinstellung von Meistertrainer Gerhard Kießling, ein Jahr des sportlichen Mißerfolgs, Spektakuläre Spielerverpflichtungen und letztlich eine weitere souverän errungene deutsche Meisterschaft (1979) mit dem KEC: Auch die beiden weiteren Jahre im Amt des Präsidenten Erlemann waren spektakulär und intensiv.

Doch tut man Erlemann Unrecht, wenn man sein Schaffen in Köln auf das öffentliche Bild in den Medien reduziert. Als Mann der Wirtschaft wusste er zu unterscheiden zwischen Investition und durch sein eigenes Geld finanzierten Prunk. Und genau hier lag die langfristige Bedeutung Erlemanns für den KEC: Er übernahm einen Verein, der sportlich und finanziell in fühlbarer Weite des Abgrunds stand – und hinterließ einen schuldenfreien Club mit deutlich angewachsener Fanbasis, identitätsstifendem sportlichem Erfolg und einem Image.

Den Transfer des Superstars Kühnhackl sah Erlemann stets als gelungene Investition und betonte, dass der “Kühnhackl-Effekt” dem KEC finanziell etwa beim Eintrittskartenverkauf eine Einnahmensteigerung von über einer Million DM bescherte, sportlich und im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit jedoch einen noch viel höher zu beziffernden Ertrag einbrachte. Damit dem Verein jedoch zukünftig ein ähnlicher finanzieller Luftsprüng erspart bliebe, etablierte Erlemann ein regelrechtes Farmteam: Die “Blue Lions München”. Hier sollten junge Talente zu gestandenen Spielern reifen können und dann in den Kader der “Haie” transferiert werden.

Neben den gesteigerten Zuschauereinnahmen und dem eigenen in den Verein gesteckten Privatvermögen sorgte Erlemann für ein weiteres Standbein: Während andere Teams den Puck mit blanker Brust jagten, erschloss Erlemann durch den ersten KEC-Trikotsponsor, “Zunft-Kölsch”, eine weitere Einnahmequelle. Auch ein urplötzlich in den Finanzpapieren des Vereins entdeckter Schuldenberg aus vergangenen Jahren warf Erlemann nur kurzzeitig aus der Bahn.

Weg vom Amateursport, der in seiner eigenen Vereinstümelei gefangen zu Reformen unfähig sei, hin zu einer “gut gemanagten Profiliga” – und in “die Köln die Errichtung einer profitablen Eissportarena für 15.000 Zuschauer.” So grotesk Erlemanns Visionen in den 70er Jahren geklungen haben mögen, so nah sind sie an der heutigen Realität.

Der Wirtschaft entstammend betonte Erlemann die Bedeutung der Rechtsform der GmbHs neben dem reinen Verein und mühte sich als einer der Ersten im deutschen Sport an der Umsetzung der einhergehenden – auch personellen – professionellen Strukturen in den Bereichen Geschäftsführung und PR, welche heute als selbstverständlich angesehen werden.

Abrupt war Erlemanns Erscheinen in der Welt des Eishockey, ebenso abrupt verließ er diese Bühne. Die positiven Emotionen, den Spaß am Sport empfand er als unvereinbar mit privaten Problemen und der lebensbedrohlichen Krankheit seines Sohnes Andreas. Die Zeit und Energie, die der Präsident des KEC in seinen Verein investierte, benötigte nun die Familie. Jochem Erlemann war ein Mann der Tat, ein Mann mit Prinzipien und Prioritäten. Seine Entscheidung für die Familie war zu akzeptieren.

Betrachtet man die Zeit der Präsidentschaft Erlemanns vom heutigen Standpunkt aus, so blickt man auf eine Zeit des enormen Umbruchs. Ein Macher, der als Finanzprofi mit den verbliebenen Strukturen eines Sports zwischen Amateur- und Profisport wenig anzufangen wusste, sie überwand und einmal vom Eishockeyvirus befallen unter vollem Einsatz eigener Mittel etwas erschaffen wollte. Spätere Präsidenten des Kölner EC stellten sich gerne in eine Reihe mit Erlemann und erinnerten an ihn. Auch bedeuteten die Jahre 1976-1979 einen Grundstein für eine sportliche Entwicklung der Haie, die kontinuierlich am oberen Ende der Tabelle endete.

Von der Bildfläche des Eishockeys verschwunden, scheint sich Erlemann vom Sport nicht entgültig zurückgezogen zu haben. Mit Stolz erfüllt das Team von Haimspiel.de, dass Erlemann uns noch vor wenigen Wochen sein Lob für die ehrenamtliche Tätigkeit zum Wohle der Fangemeinde der Haie übermitteln ließ.

Die Geschichte des Kölner Eishockey ist eng verbunden mit den Namen zahlreicher Vordenker und “Macher”, die sich zum Wohle des KEC und des Eishockeysports in Köln mit großem persönlichen Einsatz engagiert haben. In dieser Reihe nimmt Jochem Erlemann eine hervorgehobene Position ein.

April 13, 2009

Sportstadt Köln: Kooperation zwischen DEB und der Universität Passau als Vorbild?

Wäre unsere Stadt ein Briefumschlag und würde dieser jeden ihr aufgedrückte Stempel aufweisen, so wäre kaum ein Stück unbefleckt. Geschichte und kulturelles Erbe machen Köln zu einem Touristenmagneten, der Karneval zur Karnevalshochburg, WDR, RTL, NTV und Co. zum Medienzentrum. Zur Sportstadt machen Köln neben zahlreichen ebenso traditionsreichen, wie insgesamt erfolgreichen Sportvereinen auch Institutionen wie das Deutsche Sport und Olympia Museum , der Olympiastützpunkt Rheinland oder die Deutsche Sporthochschule. Neben dieser, sorgen zahlreiche weitere private und öffentliche Fachhochschulen, wie auch die traditionsreiche Universität Köln - die studentenreichste ihrer Art -, für den Ruf des Hochschulstandortes.

Manches lässt sich hier zusammenbringen und sorgt für Synergieeffekte: Der Ballungsraum Köln/Rheinland beheimatet viele Porfivereine und so trifft man auf den Sitzreihen manches Kölner Hörsaales Spitzensportlerinnen und -sportler aus verschiedenen mehr oder weniger populären Sportarten an. Der Eishockeysport macht hier keine Ausnahme. Fakt ist: Das Profitum generiert in vielen Sportarten nicht genügend Lohn, um nach der Beendigung der aktiven Profikarriere ausgesorgt zu haben. Die Ausbildung im Hochschulsektor ist variabel und bietet somit eine Option, Sportkarriere und Ausbildung unter einen Hut zu bringen.

Gut eine Woche ist es nun her, dass Detlef Langemann im Rahmen des „Kölner Sportgespräch“ auf die hervorhebenswerte Option des „Halbprofitums“ auch im Eishockeysport hinwies. Eine Option, über die bereits an anderer Stelle nachgedacht wurde.

Bereits im vergangenen Jahr gingen der DEB und die Universität Passau eine „Kooperationsvereinbarung“ ein, damit in Zukunft

für studierende Spitzensportlerinnen und Spitzensportler ein Nachteilausgleich geschaffen werden (soll), damit sie an der Universität Passau ihre akademische Ausbildung trotz der hohen zeitlichen Belastungen des Spitzensports erfolgreich absolvieren können.

Der Deutsche Eishockey-Bund e.V. sowie alle anderen beigetretenen Spitzenverbände sehen sich zusammen mit der Universität Passau, dem Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz und dem Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband in der Verantwortung gegenüber den Studierenden, die Studien- und Rahmenbedingungen im öffentlichen Interesse so zu gestalten, dass spitzensportliches Engagement mit ihrer akademischen Ausbildung zu vereinbaren ist.

In diesen Tagen wird es für das Projekt nun offenbar konkret. Wie die EHF Passau Black Hawks vermelden haben nun

DNL- oder Bundesligaspieler und Kaderathleten (…) die Möglichkeit einerseits an einer hoch angesehenen Universität ihr Studium zu absolvieren und andererseits bei einem ambitionierten Eishockeyverein mit Perspektive ihren Sport auf hohem Niveau auszuüben. Den Kandidaten, die sich bis spätestens 15. Juli bewerben müssen, wird von Seiten der Universität ein Mentor zur Verfügung gestellt, der sich um die Belange des Spitzensportlers kümmern soll. Spezielle sportgerechte Ernährung, die Möglichkeit Prüfungen an den Terminplan des Sportlers anzupassen und die Benutzung des gesamten Sportbereichs im Unicampus sind nur einige Vorteile die sich für die jungen Eishockeyspieler bieten. Vom Studentenwerk wird ein begrenztes Kontingent von Wohnungen ebenfalls zur Verfügung gestellt. Übrigens, bei einem Wechsel des Studienortes sind sowohl die Universität Passau als auch der Verein behilflich.

Ohne Frage bedeutet diese speziell auf die Bedürfnisse der Athleten ausgerichtete Kooperation eine deutliche Qualitätssteigerung gegenüber dem normalen Studium an einer Hochschule und somit ein Beispiel, welches Vorbildfunktion für die Sportstadt Köln und ihre Hochschulen haben könnte.

Nicht nur die Universität Passau trägt den Titel “Partnerhochschule des Spitzensports”, auch die Universität Köln und die Deutsche Sporthochschule reihen sich in die Liste derer, die die Idee des Konzeptes stützen ein. Und wenn im Kontext des “Passauer-Modells” davon die Rede ist, dass neben dem DEB auch der Deutschen Ruderverband und der Bayerische Skiverband das Projekt tragen, so fühle ich mich an den sportartenübergreifend bedeutenden Nachwuchsförderungsstandort Köln erinnert.

Über die höchst erfolgreiche Nachwuchsarbeit und den Willen der Kölner Haie, zukünftig mehr Talente der Nachwuchsschule zu Säulen der Profimannschaft zu machen, muss an dieser Stelle kein Wort mehr verloren werden.

In diesen Tagen vielzitiert werden die Pläne des Basketball-Bundesligisten Köln 99ers: Der “größte Basketballverein Deutschlands” plant in der kommenden Saison, sofern nicht insolvent, mit einem “Team Germany” an den Start zu gehen. Neben der “Cologne School of Basketball” könnte sich auch hier jungen Spielern eine realistische Möglichkeit auf viel Spielzeit bieten. Auch der 1. FC Köln ist natürlich in diesem Kontext zu nennen: Dem eignen Nachwuchs entstammen dem auch dem Laien bekannte Spieler wie Patrick Helmes oder Lukas Podolski.

Alle drei Vereine tragen das “Sportinternat Köln“, welches zur Zeit Talente im schulpflichten Alter beherbergt, in Zukunft aber “volljährige(n) Spitzensportler, die in Studium, Ausbildung, Berufsleben stehen (…) betreutes Wohnen bieten” soll.

Für Spieler aller drei Teams, wie auch weiterer Vereine - wie etwa dem Damen- und Herrn-Team des Rot Weiss Köln -, könnte die Option eines besonders intensiv begleiteten Studiums das Zünglein an der Waage sein, welches den Wechsel und längerfristigen Verbleib eines Talents in der Domstadt ausmacht. Die Attraktivität eines Standortes für den Athleten entscheidet bereits heute über die Wahl des Clubs, die wirtschaftlichen Zwänge der Wirtschaftskrise könnten diese Dimension noch verstärken. Interessant für die Haie sind Überlegungen im Kontext einer möglichen Kooperation mit einem Team der Oberliga: Talenten könnte hier eine besondere zweigleisige Förderung angeboten werden.

Der Rahmen ist durch die große Pluralität der Hochschulen und Vereine des Spitzensports in Köln und Umgebung gegeben. Der Wille der Kölner Hochschulen und der Vereine miteinander zu reden und mit den Verbänden (wie dargestellt mindestens DEB, DFB, DBB, DHB) über ein ähnliches Konzept wie das “Passauer Modell” zu verhandeln, wäre ein starkes Signal einer starken Sportstadt Köln und ihrer Vereine.

Februar 20, 2009

Vom Grundproblem der TV-Präsenz

Als die Partie der Hamburg Freezers gegen die Kölner Haie am 09.01. gespielt und Geschichte war, stand nicht die 2:3-Niederlage aus Sicht des KEC, sondern die gelungene Liveübertragung der Partie im Free-TV im Fokus des Interesses. “Offene Türen” wurden damals eingerannt und auch die Quote stimmte. Auch die zweite Übertragung durch Eurosport, die Partie der Adler Mannheim gegen die Hannover Scorpions sorgte bei allen Verantwortlichen für eine positives Echo. Den Wert der Übertragung beschrieb Marco Stichnoth, Geschäftsführer Hannover Scorpions, so: „Durch diese weitere Live-Übertragung bei Eurosport präsentieren wir uns abermals einer breiteren Öffentlichkeit und stärken dadurch die ganze Liga.“

Eine weitere Übertragung scheiterte nun in dieser Woche an der Absage der Metrostars aus Düsseldorf. Wie die Eishockeynews online berichtete, waren finanzielle Gründe ausschlaggebend:

Von den rund 30.000 Euro Produktionskosten hätte die Liga sowie der Gast aus Mannheim ein Teil übernommen, die Hauptlast hätten aber die Metro Stars tragen müssen. Die haben nun „dankend“ abgelehnt.

Der Artikel endet mit der Aussage: “Die jetzige Absage von Seiten der Düsseldorfer ist also auch ein Schlag ins Gesicht aller Eishockey-Fans.” Dies kann man so sehen. Man kann aber auch eine andere Position beziehen. Denn: An dieser Stelle bricht ein Grundproblem des DEL-Eishockey auf: Die Übertragung der Sportart im TV und die Frage, welche Möglichkeiten und Entscheidungsspielräume bleiben.

Werfen wir einen vergleichenden Blick in das Rund der großen Mannschaftssportarten und ihre TV-Präsenz. Über allem schwebt der Fußball, der es geschafft hat, selbst seine dritte Liga - und somit Vereinen wie dem SV Sandhausen, VfR Aalen oder Jahn Regensburg - sowohl in der Samstäglichen Sportschau, wie auch in den dritten Programmen zu platzieren. Hierfür erhalten die Vereine von den Öffentlich Rechtlichen Sendern bislang 600.000 €, ab kommender Saison 800.000 € - und wenn es nach dem Willen von DFB-Direktor Helmut Sandrock geht, in Zukunft 1.000.000 € pro Saison und Club.

Eine Million Euro erzielt die Handball Bundesliga (HBL) bereits seit 2006 in einem Mix aus Free- und Pay-TV - jedoch als Liga und nicht pro Club. Dafür werden rund 170 Spiele durch verschiedene Anbieter für das TV aufbereitet. Ein Linktipp am Rande: Die Website http://www.handballimfernsehen.de widmet sich ausschließlich diesem Thema und bietet unter anderem eine Darstellung des o.g. Vertrages.

Freute sich die Basketball-Bundesliga (BBL) 2003 noch über den Vertrag mit dem DSF, welcher über einen Zeitraum von zwei Jahren die Liveübertragung von Spielen garantierte, war bereits nach einem Jahr klar, dass das DSF aussteigen würde - die Quoten waren einfach zu schlecht. Zudem sorgte der Abgang der Ligensponsoren s.Oliver und der Deutschen Bahn für weitere Probleme. Zwischen den Zeilen war nun zu lesen, dass die Finanzierung der Übertragungen, welche offensichtlich zum Teil von der BBL getragen wurden, mit dem Abgang der Sponsoren schwierig wurde. So berichtete das Handelsblatt:

Der Hauptsponsor und sein Geld waren Teil des Eckdaten-Vertrages zwischen BBL und DSF. Als die Liga den Hauptsponsor nicht wie vereinbart bis zum 1. Oktober mitbringen konnte, musste neu verhandelt werden. “Es war nicht einfach”, sagt DSF-Kommunikationsleiter Jörg Krause, “aber wir haben einen Weg gefunden, die Übertragungen zu sichern.”

Es sind verschiedene Wege und Philosophien, die sich die einzelnen Sportarten gesucht haben. Es bleibt festzustellen, dass der Eishockeysport auf DEL-Ebene durch die Partnerschaft mit Premiere mehr Geld verdient, als jede der anderen genannten Sportarten, natürlich abgesehen von der 3. Fußball-Liga: Rund 200.000 € erhält jeder DEL-Club pro Saison als Erlös aus dem TV-Vertrag mit Premiere. Gleichzeitig impliziert dieser positive Punkt aber auch eine negative Komponente: Es liegt in der Natur der Sache, dass durch die Selbstbeschränkung auf das Pay-TV weniger sponsorenrelevante Blickkontakte produziert werden, als bei einer Darstellung im Free-TV. Das Beispiel des Basketballs, wie auch der aktuelle Fall rund um die Metrostars, zeigt jedoch, dass ohne eine Investition keine breite Free-TV-Präsens zu erhalten ist. Keine breite Free-TV-Präsens, denn vertreten ist das DEL-Eishockey im Free-TV durchaus: In kurzen Clips, meist in Magazinen wie dem Morgenmagazin. Eine Ausweitung stünde den Öffentlich Rechtlichen Sendern frei, weiter genutzt wurden die erworbenen Rechte bislang freilich nicht. Auf der anderen Seite steht nun der Sender Eurosport, der eine Beteiligung an den Produktionskosten erwartet.

Angesichts der bereits geleisteten Übertragungen und den unterschiedlichen Vorgehensweisen der Clubs muss sich die DEL nun eine grundlegende Fragen stellen und eine Philosophie entwickeln: Die Frage ist, ob man für die Liveübertragung von Spielen durch Free-TV-Sender Geld bezahlen möchte. Die zunächst paradox anmutende Situation hätte immerhin den Vorteil, dass Interessierte geworben und Sponsoren Blickkontakte geboten werden könnten. Darauf aufbauend ist eine zweite Frage denkbar: Lohnt sich ein solches Engagement in einer Kosten/Nutzen-Rechnung? Anders gesagt: Kann durch die Präsenz im Free-TV ein so deutliches Plus auf z.B. dem Sponsoren-Sektor erwirtschaftet werden, dass sich die Investition lohnt?

Wenn man davon ausgeht, dass man zum einen auf die durch Premiere garantierten (vielen) Livespiele und deren Vergütung nicht verzichten möchte, zum anderen die Option von (ausgewählten) Spielen im Free-TV offen halte möchte, sind verschiedene Szenarien denkbar:

1) Es bleibt wie es ist: Manche Vereine können die Beteiligung an den Produktionskosten zahlen, andere nicht.

2) Die Vereine der Liga begreifen die Livespiele als Werbung für die gesamte Liga und finanzieren einen Pool, aus welchem solche Übertragungen finanziert werden.

3) Die DEL findet einen Sponsor, der diesen Pool finanziert.

Sowohl für 2), als auch für 3) stellt sich die Frage, ob, wie und durch wen die Spielpaarungen festgelegt werden sollen. Ein Sender würde tendenziell wohl die Teams aufstellen, die die beste Quote versprechen. Als direkte Folge könnten sich andere Teams benachteiligt fühlen und den Sinn ihrer Mitfinanzierung in Frage stellen.

Die Weigerung der Metrostars ist ein guter Anlass, den Schwebezustand der bisherigen Eurosport-Übertragungen zu überdenken und sich in der Liga auf eine Vorgehensweise festzulegen. Erfolgt dies nicht, ist negative Presse, wie im aktuellen Fall, nicht zu vermeiden.

Februar 5, 2009

Freiluft-Eishockey: Von Vorbildern und vielleicht vertanen Chancen

Das Eröffnungsspiel der Eishockey-Weltmeisterschaft 2010 wird in der Arena “auf Schalke” gespielt werden und das Zuschauerinteresse ist ohne Frage gewaltig. Dass bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt über 40,000 Tickets abgesetzt werden konnten, muss als unerwarteter Erfolg gewertet werden. Doch: Ist der Erfolg tatsächlich unerwartet? Die Faszination für Eishockeyspiele außerhalb der “gewöhnlichen” Arenen scheint ein Erfolgsgarant zu sein, der übertragbar funktioniert.

Die in den letzten beiden Jahren ausgetragenen “Winter Classic”-Spiele der NHL verbindet man in erster Linie mit enormer Kälte und einem Gefühl “ursprünglichen” Eishockeys. Der Ursprung der Outdoor-Spiele könnte jedoch von diesem Image nicht weiter entfernt sein. Ausgerechnet oder natürlich war der Ausgangspunkt Las Vegas, wo die Pre-Saison-Partie der New York Rangers gegen die Los Angeles Kings im September 1991 in der Caesars Palace outdoor arena 13,000 Zuschauer lockte.

Das Spiel in Las Vegas sollte eine Ausnahme in der Geschichte der Outdoor-Spiele bleiben. Als die Teams der rivalisierenden US-Colleges Michigan State University (MSU Spartans) und University of Michigan (U-M Wolverines) im Oktober 2001 im Spartan Stadium zu Michigan aufeinander trafen, war vermutlich jeder der 74,544 Zuschauer von der gewaltigen Kulisse ergriffen. Das Zusammenspiel von Rivalität, einer “ursprünglichen” Kälte und der Sogwirkung einer gigantischen Fanmasse sollte zum Erfolgsrezept kommender Outdoor-Spiele werden.

Vergingen zwischen dem Spiel in Las Vegas und dem in Michigan zehn Jahre, so inspirierte der enorme Erfolg des “Cold War”-Spiels die NHL rasch zu einem weiteren Versuch: In dem als “NHL Heritage Classic” bezeichneten Spiel trafen im November 2003 die Montreal Canadiens auf die Edmonton Oilers. “On the road” konnten die Habs die heimischen Oilers vor 57,167 Zuschauern im Commonwealth Stadium mit 4:3 besiegen. Bilder dieses Spiels prägen die Wahrnehmung der Outdoor-Spiele bis heute: Es sei nur an Jose Theodores wärmende Aufmachung erinnert.

Was fasziniert und funktioniert, dass wird gerne wiederholt:
- Im “Frozen Tundra Classic” im Februar 2006 zwischen den NCAA-Teams der Universitäten Ohio State und Wisconsin vor 40,890 Zuschauern.
- Im Charity-Spiel eines Team World (Paul Coffey, Thomas Sandstrom, Jari Kurri, Peter und Anton Stastny etc., Coach Scotty Bowman) gegen ein Team Russia (rund um die Sovjet-Legenden Igor Larionov, Sergei Makarov, Vladimir Krutov, Vyacheslav Fetisov and Alexei Kasatonov) vor 2,000 Zuschauern auf dem roten Platz in Moskau im Jahr 2006.
- Im “Tatze-Derby” spielte der SC Bern gegen den heimischen SC Langnau Tigers vor 30,076 Zuschauern im Stade de Suisse.
- Im erst neulich ausgetragenen KHL All-Star-Game wiederum auf dem roten Platz in Moskau und vor ca. 3000 Zuschauern.

Auf eine neue Stufe der Vermarktung hob die NHL die Outdoor-Games durch die Etablierung eines jährlichen “Winter Classic”-Spiels am ersten Januar. Beibehalten wurden die Erfolgsgaranten “Kälte”, “Rivalität der Teams” und “großes Stadion”. So spielten am 01.01.2008 die Buffalo Sabres im heimischen Ralph Wilson Stadium gegen die Pittsburgh Penguins vor 71,217 Zuschauern; die Chicago Blackhawks im heimischen Wrigley Field gegen die Detroit Red Wings am 01.01.2009 vor 40,818 Zuschauern.

Eine entscheidende Stellschraube für den Erfolg der Spiele ist die Betonung der Besonderheit bzw. Einzigartigkeit. Wurde bei der Partie der Blackhawks gegen die Red Wings die Betonung auf die langjährige Tradition der beiden “Original-Six”-Teams gelegt (so traten beide Teams in Vintage-Jerseys an), so ist auch die Jagd nach Rekorden ein werbewirksames Moment. Der im Winter-Classic von 2008 angestrebte Rekord für die höchste Zuschauerzahl eines regulären NHL-Saisonspiels wurde - natürlich - erreicht. Ein konkreter Anlass ist ebenfalls stets willkommen, um ein Outdoor-Spiel zu veranstalten. Sei es im Falle des charity-Spiels auf dem Roten Platz

the 60th anniversary of the birth of Russian hockey, the 50th anniversary of the former Soviet Union’s first hockey victory at the Olympics and the 25th anniversary of the creation of the famous KLM line in the 1980s.

oder im Falle des “Heritage Classic”-Spiels

because Oilers management wanted to celebrate the franchise’s 25th anniversary season in the NHL.

Auch der DEB setzt bei dem Eröffnungsspiel der WM 2010 auf die Sogwirkung des besonderen Moments. Obwohl die Spielpaarung noch nicht feststeht, ist doch der Weltrekord für die höchste Zuschauerzahl eines WM-Spiels zum greifen nah, zudem ist es das erste Spiel seiner Art in Deutschland - und offenbar wollen tausende Fans ein Bestandteil dieses Ereignisses sein. Der Erfolg des Ticketverkaufs - vor allem im Spiegel der sonst eher mäßigen Zuschauerzahlen bei DEB-Spielen - spricht für sich.

Kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen, war jedoch bereits im Jahr 2005 ein Freiluft-Spiel der Kölner Haie gegen die DEG MetroStars in konkreter Planung gewesen. Wie die NRZ berichtete, stand die

Düsseldorfer Arena mit Fortuna als Hauptmieter (…) schon mehrere Male im Fokus des Pucksports. Erstmals zur Eröffnung der Arena im Jahr 2005. Da sollte es ein Derby DEG gegen Köln sein. Die Haie hatten sich auch schon mit dem Gedanken angefreundet. Letztlich scheiterte die Umsetzung der Idee an der Intervention des damaligen [Düsseldorfer] Oberbürgermeisters Joachim Erwin.

Die damalige Chance wurde nicht genutzt, doch ist ein solchen Freiluftspiel überhaupt realistisch? Manche Stellschrauben für ein Outdoor-Spiel der Haie gegen die MetroStars sind nahezu perfekt: Entsprechende Arenen sind in beiden Städten gegeben, die Rivalität der Mannschaften legendär. Die Sogwirkung des ersten Outdoor-Spiels auf deutschem Boden ist vermutlich bereits vertan. Vielleicht kann aber auch ein erfolgreiches Spiel in der Arena “auf Schalke” für ein rheinisches Derby vor 40,000 Zuschauern Katalysator sein, der die Begeisterung für ein solches Erlebnis erst richtig weckt.

Oktober 7, 2008

1. TV-Duell zwischen Schramma und Roters: Kommentar

Kommentar zum 1. TV-Duell der Spitzenkandidaten von CDU und SPD/Die Grünen zur Kölner Oberbürgermeisterwahl 2009

Die Kölner Haie sind unlöslich mit der „Sportstadt Köln“ verbunden: Wenn sich die Spitzenkandidaten der Oberbürgermeisterwahl über deren momentane Verfassung und zukünftige Ausrichtung unterhalten, so betrifft es sowohl das Profiteam der Haie, als auch den KEC als Sportverein – wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen. Was aber sind die Erkenntnisse der als “Duell” angekündigten, aber letztlich diesem markanten Wort nicht gerecht werdende “Talkrunde” für die Kölner Haie?

Zunächst: Ein wirklicher Austausch über die Situation der Kölner Haie und des KEC fand letztlich nicht stand. Direkt und indirekt wurde vielmehr – und das muss man völlig wertfrei sagen – deutlich, wie die Hierarchie der Sportarten in Köln wie in Stein gemeisselt erscheint. Die Runde der Versammelten fungierte im Bezug auf die Wertbemessung der Kölner Vereine als Spiegelbild der allgemeinen Wahrnehmung.

Das in dem der Diskussion vorgelagerten Trailer der Handball vor dem Eishockey angesprochen wurde, mag der in Köln errungenen Weltmeisterschaft geschuldet, nur von marginaler Bedeutung oder auch einfach nur Zufall sein, die dominierende Darstellung des FC mit dem obligatorischen Verweis auf Lukas Podolski stellt die Verhältnisse in Berichterstattung und Wahrnehmung des Spitzensports in Köln selbst im Rahmen einer politischen Veranstaltung wie dieser dar.

Sich nicht im Eishockeysport auszukennen ist kein Verbrechen, eher die Regel und somit kann man Jürgen Roters auch keinen Vorwurf machen, dass er sich nur vage zu den Kölner Haien äußerte und sich dann lieber einem Thema zuwandte, auf dem er ebenso sicher argumentieren konnte, wie die restlichen Beteiligten im Bezug auf den FC. Interessant war es, dass seine Ideen und Anmerkungen vom Rest der Diskussionsrunde nicht näher kommentiert wurden und Neven DuMont recht abrupt das Thema auf das persönliche Fitnessprogramm von Peter Brings umlenkte.

Mindestens durch seine Funktion beim ASV dürfte Roters mit Situationen vertraut sein, die auch die Verantwortlichen des KEC e.V., beschäftigen werden. Während Fritz Schramma keinen Hehl daraus machte, dass die große Bühne des Fußballs das eigentliche Steckenpferd seiner sportpolitischen Aktivität ist, so dürfte sein Herausforderer die Situation eines Vereins des Breitensports kennen.

Hier finden sich Probleme, wie die zunehmend schlechte physische Verfassung unserer Jugend, die Geringschätzung und auch Abwertung des Sports im Schulkanon in den zugleich geburtenschwachen Jahrgängen, was zu einer rückläufigen Zahl aktiver Mitglieder in den Vereinen führt.

Roters ist außerdem zuzustimmen, wenn er von der besonderen sozialen und integrativen Rolle von Vereinen in unserer Gesellschaft und dem vergleichsweise gering ausgeprägten Bewusstsein für die Bedeutung der verschiedenen Formen einer Vereinszugehörigkeit spricht. Ein Problem, welches meiner Meinung nach auch auf die Realität beim KEC und seiner Anhängerschaft greift.

Während es der 1. FC Köln - zumindest für mich als Außenstehenden - unzweifelhaft erfolgreich schafft, die Schaffung eines Bewusstseins für den Gesamtverein zu schaffen - schließlich sind die rund 40.000 Mitglieder eben jene beim Stammverein und nicht etwa bei der Profiabteilung -, so wirbt der KEC zwar zunehmend für eine Mitgliedschaft im KEC e.V., scheitert im Vergleich der nackten Zahlen und dem Gefühl nach daran bereits im Ansatz. Das Fehlen von Passiv- bzw. Fördermitgliedern und somit das Fehlen einer breiten Basis dieses wichtigen Bausteins des Finanzierungsgerüstes ist ein Umstand, der in der Zukunft deutlich Potential nach oben hat.

Interessant auch die Beurteilung des Sportinternat Köln durch Roter: Man müsse “deutlich besser werden”, so sagte er und traf damit einen Punkt, der bereits im Rahmen der Berichterstattung angesichts seltsamer Aussagen des FC-Vizepräsidenten Jürgen Glowacz im Juni diesen Jahres formuliert wurde (”Rainer Maedge, Mitglied der Gesellschafterversammlung des Sportinternats und Präsident des Haie-Nachwuchses (…):” Erst kürzlich wurde mit dem FC vereinbart, das Sportinternat nicht nur weiterzubetreiben, sondern auch auf eine neue Qualitätsstufe zu heben.”).

Bereits als sich Neven DuMont vage und sicherlich falsch über den Etat der Kölner Haie äußerte, musste ich an die Worte Thomas Eichins in einem Haimspiel.de-Interview von 2007 denken: „Der KEC (ist) hier in Köln schon so ein bisschen das Stiefkind. Sind zwar toll, super Zuschauerzahlen, sind immer in den Playoffs, aber letztendlich rennt doch jeder zum Fußball.“ Man könnte diesen Ausspruch auch in ähnlicher Form als Fazit unter die Diskussion stellen. Am treffendsten formulierte dies wohl der Kölner Stadtanzeiger, der beiläufig unter die (abrufbare) Aufzeichnung jenes vierten Diskussionsbereiches die folgende Formulierung anbrachte: “Die Sportstadt Köln ist viel mehr als der FC, und doch überstrahlt er alles.

Hervorzuheben sind die Aussagen von Claus Horstmann, der die einzigartige Position Kölns im Bezug auf das Vorhandensein von Spitzensport und Institutionen betonte und auch die Rolle der Kölner Haie im Gesamtgefüge der Sportstadt Köln noch einmal umriss: Es gibt vielfach Spitzensport in Köln, aber die Haie behaupten sich und sind nach wie vor die Nummer zwei der Stadt! Bezeichnend, dass er - unbewusst - in der Reihenfolge weiterer Spitzenmannschaften in Köln neben dem FC an erster Stelle der Aufzählung die Kölner Haie bzw. den Eishockeysport nannte.